
Wann steigt der Goldpreis, wann fällt er normalerweise? Erläuterung zur Marktdynamik von einem Experten für Edelmetalle
29. 05. 2026SITA.SK, Übersetzung IBIS InGold
Jahrelang galt Gold vor allem als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten.
Mittlerweile, so Experten, entwickelt es sich jedoch zu einem strategischen Instrument, das von Geopolitik, Zentralbanken und den Währungsrivalitäten der Großmächte beeinflusst wird. Filip Horáček, Vertriebsleiter bei IBIS InGold erklärt, warum der Goldpreis nicht immer wie erwartet reagiert und warum immer mehr Anleger wieder auf Edelmetalle setzen.
Viele Anleger gehen davon aus, dass der Goldpreis bei zunehmenden globalen Spannungen automatisch stark steigen wird. In Wirklichkeit ist die Beziehung laut Filip Horáček aber komplexer. Eine ganze Reihe von Faktoren – von Ölpreisen und Zinssätzen bis hin zur Stärke des US-Dollars – beeinflusst den Preis einer in London gehandelten Unze Gold.
„Wenn der Ölpreis steigt, treibt er die Inflation in die Höhe. Die Zentralbanken erhöhen daraufhin die Zinssätze und Anleger schichten Gelder in Anleihen um. Dies stärkt den US-Dollar und setzt Gold unter Druck“, erklärt der Experte.
Ein starker Dollar ist tatsächlich einer der wichtigsten Faktoren. Denn historisch betrachtet haben sich Gold und die US-Währung in entgegengesetzte Richtungen bewegt. „Wenn der Dollar stärker wird, schwächelt Gold normalerweise. Wenn der Dollar fällt, hat Gold wieder Raum nach oben“, so Horáček.
Durch das Verhalten von Anlegern während schwerer Krisen wird diese Situation zusätzlich erschwert. Denn in Zeiten erhöhter Unsicherheit verkaufen manche Anleger auch kurzfristig Gold – häufig, weil sie Liquidität benötigen, Gewinne realisieren möchten oder Verluste an anderen Märkten ausgleichen müssen. Deshalb kann der Goldpreis vorübergehend fallen, selbst wenn geopolitische Spannungen zunehmen.
„Am Markt ist niemals nur ein einziger Faktor im Spiel. Es ist eine Mischung aus Faktoren, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedlich stark ins Gewicht fallen“, so Horáček weiter.
Gold wird zu einem strategischen Instrument
Dem Experten zufolge wandelt sich auch die Rolle, die Gold in der Weltwirtschaft spielt. Während es einst vorrangig als Absicherung gegen Inflation diente, kaufen Zentralbanken es heute als strategischen Vermögenswert.
„Gold ist kein reines Instrument zur Portfolio-Diversifizierung mehr. Es entwickelt sich zu einer Währung und einem geopolitischen Instrument“, so Horáčeks Beobachtung.
Die Nachfrage nach Gold wird dabei insbesondere von den Zentralbanken angetrieben. Diese intensivierten ihre Käufe nach 2022 rasant und Analysten zufolge handelt es sich dabei um einen der stärksten Nachfrageschübe seit dem Zweiten Weltkrieg. Grund hierfür sind die Unsicherheiten in der Weltwirtschaft und die Bestrebungen vieler Länder, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern.
„Regierungen und Zentralbanken streben Vermögenswerte an, die das Vertrauen unabhängig von politischen oder währungsbedingten Veränderungen bewahren können. Geld kann in riesigen Mengen geschaffen werden, doch Gold bleibt ein von Natur aus begrenzter Vermögenswert“, so Horáček.
Daher gehen viele große Finanzinstitute davon aus, dass die Bedeutung von Gold in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. JPMorgan und die Bank of America sagen in ihren Prognosen voraus, dass der Goldpreis in naher Zukunft die Marke von 6 000 US-Dollar pro Unze überschreiten könnte. Analysten heben die anhaltenden Käufe durch Zentralbanken, die weltweit steigenden Staatsverschuldungen sowie die geopolitische Unsicherheit hervor, die die Nachfrage nach Gold langfristig hochhalten.
Horáček ist jedoch der Ansicht, dass Gold vor allem als langfristiger Bestandteil eines Portfolios und nicht als Spekulationsobjekt für ein schnelles Geschäft betrachtet werden sollte. „Wir empfehlen, mindestens fünf Jahre in Gold zu investieren – idealerweise sogar zehn bis zwanzig Jahre. Denn dann spielt es seine Stärke als Stabilisator voll aus.“
Psychologische Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle. „Wenn der Goldpreis steigt, kaufen viele Anleger aus Angst, Gewinnmöglichkeiten zu verpassen. Wenn der Kurs hingegen fällt, geraten sie oft in Panik und verkaufen wieder. Genau hier hilft regelmäßiges Investieren: Es nimmt die Emotionen aus der Entscheidung heraus und ermöglicht es, schrittweise ein zusätzliches Standbein zu schaffen, ohne zu versuchen, kurzfristige Marktschwankungen vorhersehen zu wollen.“
Mittlerweile gibt es die Möglichkeit, regelmäßig und in kleineren Beträgen in Gold zu investieren, ohne dass dafür eine hohe Einmalinvestition erforderlich ist. Damit kann Gold als langfristiger, stabilisierender Anker in einem modernen Anlageportfolio dienen.
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